Mit dem Einzug von Linux in die Unternehmens-IT stehen Personalverantwortliche vor der Schwierigkeit, das Know-how von Bewerbern einschätzen zu können. Zertifizierungen sind hier seit langem ein probates Mittel. Auch das Linux-Umfeld kann sich - gewollt oder nicht - diesem Trend nicht entziehen.

Seit dem ersten iX-Artikel zum Thema Linux-Zertifizierung hat sich nicht nur die Linux-Welt insgesamt, sondern auch der Zertifizierungsbereich zum Teil drastisch verändert. Der Einzug von Linux in die Unternehmens-IT ist ein Faktum - im Serverbereich sowieso, und auch bei den Clients kommt Bewegung ins Spiel, wie unlängst die Entscheidung der Stadt München für die generelle Einführung von Linux auf allen Systemen zeigte.

Bis auf jene Firma aus Redmond mischen praktisch alle Global Player der IT im Linux-Markt mit. Selbst Novell hat, nach der Aufgabe der eigenen IPX/SPX-Protokolle, inzwischen Linux als Basis für seine Netzdienste im Programm.

Passend zur immens gestiegenen wirtschaftlichen Bedeutung legte das Informationsangebot zu Linux beziehungsweise Linux-Zertifizierungen zu. Google liefert zu den Suchbegriffen „Linux“ und „Certification“ mittlerweile fast 900 000 englische beziehungsweise etwas über 6000 deutsche Links. Wer sich nach „Linux“ und „Zertifizierung“ (nur Deutsch) umschaut, erhält immerhin 14 000 Verweise. Etwas besser strukturiert ist das Ergebnis bei Altavista: „linux“ und „certification“ liefert zwar ebenfalls fast 500 000 Links, aber diese lassen sich über einzelne Gruppen verfeinert durchsuchen, beispielsweise „Study Guides“ oder „Practice Exams“. Damit kommt man ziemlich schnell zu den relevanten Links und kann sich die Informationen zu den gewünschten Zertifikaten ansehen oder herunterladen.

Idee und Realität
Fraglos sind Linux und Zertifizierung „in“. So tummeln sich die schon 1999 tätigen Zertifikatsanbieter Red Hat, LPI, Sair, CompTIA und SAGE nach wie vor im Markt - teilweise unter neuer Regentschaft. Alle Anbieter setzen auf ein Modulsystem, in dem die Prüfungen aufeinander aufbauend abzulegen sind. Vielen ist gemein, dass ihr System auf dem Papier zwar ziemlich perfekt aussieht und die Module sauber aufeinander abgestimmt sind, in der Praxis aber nur ein Teil, manchmal (CompTIA) sogar nur ein Zertifikat aktuell zu erwerben ist.

Wer also bestimmte Leistungsnachweise erbringen möchte, muss sich beim jeweiligen Zertifikatsanbieter nach der Verfügbarkeit erkundigen. Weiterhin stellt sich die Frage nach der Plattform- und der Distributionsunabhängigkeit des jeweiligen Zertifikats.

Ebenso ist von Bedeutung, ob der Zertifikatsanbieter oder -inhaber selbst im Markt tätig ist, ob er gegebenenfalls neben den Zertifikaten beispielsweise Vorbereitungsmaterial oder Schulungen anbietet. Last, but not least sollte man gerade bei einem Open-Source-System wie Linux, die Frage stellen, ob der Anbieter kommerziell tätig ist oder „Not-for-Profit“ agiert.

Weitere Aspekte, die vor der Anmeldung zu einer Prüfung oder einem Vorbereitungskurs wichtig sind, liefert der Kasten „Grundsätzliche Fragen“.

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